Warum Lüften allein oft nicht gegen Schimmel hilft
Wer kennt es nicht: Es ist kalt draußen, drinnen wird geheizt – und plötzlich findet man in einer Zimmerecke dunkle Flecken. Schimmel! Oft lautet der erste Tipp: „Mehr lüften.“ Doch so einfach ist es leider nicht. Auch wenn frische Luft wichtig ist, reicht das allein nicht aus, um Schimmel zuverlässig loszuwerden – oder gar zu verhindern. In diesem Beitrag erfahren Sie, warum regelmäßiges Lüften zwar hilfreich, aber bei weitem nicht die alleinige Lösung gegen Schimmel ist. Wir zeigen Ihnen, worauf Sie wirklich achten sollten und wie Sie Ihre Räume dauerhaft schimmelfrei halten können.
Warum Schimmel trotz regelmäßigem Lüften entsteht
Viele stellen sich die Frage: „Ich lüfte doch jeden Tag – warum wächst trotzdem Schimmel?“ Die Antwort ist häufig komplexer als gedacht. Denn Schimmelbildung hängt von mehreren Faktoren ab – und Lüften ist nur ein Teil der Lösung.
Beim Lüften geht es vor allem darum, überschüssige Feuchtigkeit aus der Luft zu bekommen. Diese Feuchtigkeit entsteht tagtäglich im Haushalt: beim Kochen, Duschen, Wäschetrocknen oder sogar durchs Atmen. Doch wenn sich Feuchtigkeit in Wänden, Böden oder Möbeln sammelt, hilft frische Luft allein kaum noch – sie erreicht diese Feuchtigkeit einfach nicht mehr.
Feuchtigkeit ist der Hauptgrund für Schimmel
Schimmel braucht vor allem eines zum Wachsen: Feuchtigkeit. Wird ein Raum ständig durchfeuchtet, kann die Luftzirkulation durch Lüften zwar kurzfristig helfen – sie beseitigt aber nicht die Quelle der Nässe.
Wussten Sie zum Beispiel, dass Schimmel häufig aus folgenden Gründen entsteht?
- Wärmebrücken – also Stellen, an denen die Wärme leichter nach außen entweicht und sich Feuchtigkeit niederschlägt
- Undichte Fenster oder Dächer
- Wasserschäden wie Rohrbrüche oder eindringende Regenfeuchtigkeit
- Eine zu hohe Luftfeuchtigkeit über längere Zeit
Mehr dazu finden Sie hier: Wie entsteht Schimmel in Wohnräumen?
Deshalb sollten Sie sich immer fragen: Woher kommt die Feuchtigkeit überhaupt? Nur wenn Sie das verstehen, können Sie Schimmel langfristig verhindern.
Warum richtiges Lüften dennoch wichtig ist
Verstehen Sie uns nicht falsch: Lüften ist wichtig! Es trägt dazu bei, die Luftfeuchtigkeit zu regulieren und Schimmel vorzubeugen. Es kommt jedoch sehr darauf an, wann und wie gelüftet wird.
Die Kunst des richtigen Lüftens
Viele lüften, indem sie die Fenster auf Kipp stellen. Klingt erstmal sinnvoll – ist es aber nicht. Denn beim Kippen kommt kaum frische Luft hinein, dafür kühlen die Wände aus. Genau das kann zu Kondenswasser führen – und damit zu einer perfekten Umgebung für Schimmelsporen.
Besser ist es, kurz und kräftig zu lüften – das sogenannte Stoßlüften. Dabei öffnen Sie mehrere Fenster komplett für etwa 5 bis 10 Minuten. In dieser Zeit tauscht sich die feuchte, verbrauchte Luft mit trockener Außenluft aus, ohne dass die Möbel oder Wände stark auskühlen.
Empfehlung: Lüften Sie je nach Jahreszeit mindestens 2-4 Mal am Tag – besonders nach dem Duschen, Kochen oder wenn viele Personen im Raum waren.
Wenn Lüften allein nicht ausreicht: Was Sie zusätzlich tun können
Wenn trotz regelmäßigem Lüften feuchte Stellen oder sogar Schimmel auftreten, ist es Zeit für einen genaueren Blick. Denn oft liegen die Ursachen tiefer – sprichwörtlich.
1. Messen Sie die Luftfeuchtigkeit
Schon ein einfaches Hygrometer (ein Messgerät für Luftfeuchtigkeit) kann Wunder wirken. Ideal ist eine Luftfeuchtigkeit zwischen 40 % und 60 %. Liegt sie darüber, sollten Sie gegensteuern – durch häufigeres Lüften oder den Einsatz von Entfeuchtern.
2. Möbel richtig platzieren
Wussten Sie, dass dicht an die Wand gestellte Möbel die Luftzirkulation verhindern können? Zum Beispiel bei einem großen Kleiderschrank an einer Außenwand: Dahinter staut sich oft feuchte Luft, die nicht entweichen kann – ein Paradies für Schimmel.
Tipp: Halten Sie etwa 5–10 cm Abstand zwischen Möbeln und Außenwänden und reinigen Sie diese Flächen regelmäßig.
3. Bautrockner oder Luftentfeuchter einsetzen
Wenn Sie in einem feuchten Gebiet wohnen oder Ihr Gebäude schlecht gedämmt ist, kann ein mobiler Entfeuchter sinnvoll sein. Besonders bei Baufeuchte in Neubauten oder nach einem Wasserschaden empfehlen wir, einen professionellen Bautrockner zu nutzen.
Einen Überblick über geeignete Geräte finden Sie hier: Bautrockner Experten – Übersicht & Beratung
4. Räume gezielt beheizen
Ungeheizte Räume – etwa das Gästezimmer oder der Keller – sind anfälliger für Schimmel. Denn kalte Luft kann weniger Feuchtigkeit aufnehmen. Die Folge: Feuchtigkeit schlägt sich auf Wänden und Decken nieder.
Sorgen Sie also dafür, dass auch selten genutzte Räume zumindest angenehm temperiert sind – 16 bis 18 Grad reichen oftmals schon aus.
5. Ursachen professionell klären lassen
Wenn Sie trotz aller Maßnahmen immer wieder Schimmel entdecken, kann das ein Zeichen für tieferliegende bauliche Probleme sein – beispielsweise undichte Rohrleitungen, eine schlechte Dämmung oder Wärmebrücken.
Spätestens dann ist es ratsam, Fachleute hinzuzuziehen und die Ursache genau analysieren zu lassen.
Typische Irrtümer: Was man über Schimmel oft falsch versteht
Es gibt viele Mythen rund um das Thema Schimmel. Hier räumen wir mit den häufigsten auf:
- „Man muss nur genug lüften – dann gibt es nie Schimmel.“
Stimmt leider nicht. Ohne Ursachenbekämpfung bleibt das Risiko bestehen. - „Ein bisschen Schimmel ist nicht schlimm.“
Auch kleine Schimmelflecken sollten Sie ernst nehmen. Sie können größer werden und gesundheitsschädlich wirken. - „Heizen hilft mehr als Lüften.“
Beides ist wichtig! Nur durch die Kombination von richtigem Heizen und Lüften bleibt das Raumklima im Gleichgewicht.
Schimmel in der Mietwohnung – was tun?
Gerade in Mietwohnungen herrscht oft Unsicherheit: Wer ist verantwortlich, wenn Schimmel auftritt?
Grundsätzlich gilt: Wenn das Verhalten der Mieter:innen – etwa mangelndes Lüften – nachweislich die Ursache ist, können sie selbst haftbar gemacht werden. Bestehen jedoch Baumängel oder Bauschäden, ist meist der Vermieter zuständig.
Wichtig: Dokumentieren Sie Schimmel immer mit Fotos und melden Sie ihn umgehend schriftlich. Und holen Sie sich im Zweifel rechtlichen Rat.
Fazit: Lüften ist wichtig – aber oft nur ein Teil der Lösung
Wie Sie sehen, ist Lüften allein oft nicht genug, um Schimmel zu verhindern oder zu beseitigen. Zu viele Ursachen liegen tiefer – buchstäblich in Wand, Dach, Boden oder Bauweise. Deshalb lohnt es sich, genau hinzusehen und das Raumklima aktiv zu steuern.
Mit den richtigen Maßnahmen – von gezieltem Lüften über den Einsatz von Luftentfeuchtern bis hin zur professionellen Beratung – können Sie Ihre Wohnräume dauerhaft gesund und schimmelfrei halten.
Wenn Sie mehr über die Ursachen für Schimmel in Wohnräumen wissen möchten, empfehlen wir unseren Beitrag „Wie entsteht Schimmel in Wohnräumen?“ sowie weitere Inhalte auf bautrockner-experten.de.
FAQs rund ums Thema Lüften und Schimmel
Wie oft muss ich lüften, um Schimmel zu vermeiden?
Mindestens zwei- bis viermal täglich stoßlüften – je nach Nutzung des Raums. Nach dem Kochen oder Duschen sollte sofort gelüftet werden.
Kann auch zu viel Lüften schädlich sein?
Ja. Wer im Winter zu lange lüftet, kühlt Wände aus – dadurch kann sich noch mehr Feuchtigkeit niederschlagen. Deshalb: lieber kurz und effektiv.
Hilft ein Luftentfeuchter gegen Schimmel?
Ein Luftentfeuchter kann helfen, die Luftfeuchtigkeit zu regulieren. Er ersetzt aber nicht die Ursachenbeseitigung – zum Beispiel bei Wasserschäden.
Wo entsteht Schimmel am häufigsten?
Meist in feuchten Bereichen wie Badezimmer, Küche oder an kalten Außenwänden – vor allem hinter großen Möbeln.
Wie erkenne ich versteckten Schimmel?
Typische Hinweise sind muffiger Geruch, dunkle Flecken an Wänden oder Allergiesymptome. Im Zweifel hilft nur ein Fachmann mit geeigneten Messgeräten.
Quellen und weiterführende Informationen
- Umweltbundesamt: „Schimmel in Innenräumen – Ratgeber für Mieter, Vermieter und Eigentümer“
- Deutscher Mieterbund: Informationen zur Mietrechtlage bei Schimmelbefall
- TÜV Rheinland: Bauliche Ursachen für Feuchtschäden
- Stiftung Warentest: Ratgeber zu Luftentfeuchtern